Mai 2018

Senevita Post - Ausgabe 2 / 2018, Mai 2018

Schichtbeginn im Abendrot

Senevita-Bewohnende werden rund um die Uhr umsorgt − auch nachts, wenn die meisten von uns schlafen. Wir haben Beatrice Zaugg, Mitarbeiterin der Senevita Westside in Bern, während einer Nachtschicht über die Schulter geschaut.


Um 21.00 Uhr ist Schichtbeginn. Beatrice Zaugg nimmt den Rapport ihrer Kollegin vom Spätdienst ab. Ist etwas Besonderes vorgefallen? Worauf ist zu achten? Eine halbe Stunde später startet sie ihre erste Runde. «Ich gehe bei allen Bewohnenden persönlich vorbei. So wissen sie, wer für sie da ist. Zum Teil schlafen sie schon. Dann schalte ich den Fernseher aus und schaue, ob sie bequem liegen.»

«Seit über zehn Jahren arbeite ich nachts. Anfangs wegen meiner Kinder − so hatte ich tagsüber Zeit für sie. Ich mag aber auch die Nähe zu den Bewohnenden in der Nacht, die Vielseitigkeit. Die Zeit vergeht immer wie im Flug.» Als Nachtwache nimmt Beatrice Zaugg eine besondere Stellung ein. Während zehn Stunden trägt sie alleine die Verantwortung im Haus. Für die Bewohnenden und ihre Nachtruhe ist entscheidend, Vertrauen in die Nachtwache aufbauen zu können. Da ist wichtig, dass man einander kennt. Sie weiss, wer bei offenem Fenster schläft, wer ein Nachtlicht wünscht und so weiter.

Es gibt jede Nacht etwas zu tun − und doch ist keine wie die andere. Finden Bewohnende keinen Schlaf, hilft ein Gespräch. Beatrice Zaugg hört gerne zu, sei es Fröhliches oder Bedrückendes. Was sie hier an Zeit schenken kann, bedeutet Lebensqualität − für beide Gesprächspartner.

In unruhigen Nächten klingeln einzelne Bewohnende immer wieder, manchmal mehrmals pro Stunde. Sie suchen Kontakt zu Beatrice Zaugg, Orientierung in Zeit und Raum, die Sicherheit, jemanden in der Nähe zu haben. Auch heute schlafen nicht alle durch. Kurz vor zwölf löst ein Bewohner die Klingelmatte vor seiner Zimmertür aus. «Er ist aufgrund seiner Demenzerkrankung weglaufgefährdet. Dank der Klingelmatte weiss ich, wenn er im Begriff ist, sein Zimmer zu verlassen.»

Wenig später wird in einer betreuten Wohnung ein Alarm ausgelöst. Beatrice Zaugg schnappt sich den Notfallrucksack. Als Nachtwache ist sie zusätzlich zur Pflegeabteilung für den hausinternen Notruf in den 95 Wohnungen verantwortlich. Ist jemand gestürzt und verletzt, kann sie beim Pikett zusätzliche Unterstützung anfordern. Diesmal handelt es sich um eine Bagatelle. «Ich bin froh für den Bewohner, dass es kein richtiger Notfall war.» Um 1.00 Uhr macht Beatrice Zaugg die zweite Runde. Alles schläft. Auch in ruhigen Nächten fallen für die Nachtwache  Aufgaben an: Rollstühle und Rollatoren reinigen, gelieferte Medikamente kontrollieren usw. Zwischendurch klingelt es. Beatrice Zaugg schaut vorbei, bringt etwas zu trinken, hilft Bewohnenden auf die Toilette und zurück ins Bett.

Um 4.00 Uhr ist es Zeit für die dritte Runde. Mehrere Bewohnende sind wach, die meisten schlafen nochmals ein. Von einem Bewohner erhält sie einen Handkuss. Aber ab sechs Uhr beginnt für viele der Tag. Sie müssen auf die Toilette, fragen nach der Zeit, möchten einen ersten Kaffee, den Beatrice Zaugg gerne ans Bett serviert.

Der Morgenrapport steht um 7.00 Uhr an − Startschuss für die Mitarbeitenden der Tagschicht und Arbeitsende für Beatrice Zaugg, die bald selbst ruhig schlafen wird.


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