August 2017

Senevita Post - Ausgabe 3 / 2017, Juli 2017

Heimat − leicht zu spüren, schwer zu fassen

Italienisch für Fortgeschrittene

In der mediterranen Abteilung der Senevita Lindenbaum, so heisst es auf der Website, erwartet Menschen mit südländischen Wurzeln ein Stück Heimat. Kommen Sie in diesem Artikel mit auf eine Stippvisite.

«Buongiorno signora, mi permette di entrare?» Es ist Stationsleiter Shpetim Beqati, der an die Türe von Rita Allemann klopft. Die 89-Jährige lebt in der mediterranen Abteilung der Senevita Lindenbaum in Spreitenbach. Wie 19 andere gebürtige Italienerinnen und Italiener, eine Spanierin «und drei Schweizer mit italienischem Blut in den Adern», erzählt Shpetim Beqati. Gesprochen wird Italienisch, gelebt südländisch. «Bei uns im dritten Stock merkt man schnell, dass man in einer anderen Welt ist», sagt der albanisch-italienische Doppelbürger buchstäblich zwischen Tür und Angel und lacht dabei.

Sprache als Wohlfühlfaktor

Auch Rita Allemann lächelt. Sie freut sich über den Spontanbesuch. Aus Liebe verliess sie vor fast 60 Jahren die Toskana. Ihr verstorbener Ehemann, ein Feriengast aus Turgi, habe in der Schweiz einen tollen Job gehabt. «Für mich war klar, dass ich mit ihm mitgehe.» Mit dem Begriff «Heimat» kann Rita Allemann zwar nicht viel anfangen. Sie sei in der Schweiz zu Hause, sagt sie, bei ihren zwei Kindern. Aber auch froh, im «Lindenbaum» ein Daheim gefunden zu haben, wo sie Italienisch sprechen kann. Es gehe vielen Menschen so, die damals aus dem Süden hierher kamen, vermutet Shpetim Beqati, selber Immigrant aus Italien. «Möglichkeiten, die Sprache zu lernen, gab es für sie kaum.» Apropos sprechen: Manchmal würden ihr die anderen Bewohnenden fast ein bisschen zu viel sprechen, verrät Rita Allemann mit einem Augenzwinkern. «Ich bin eher ruhig.»

Und damit eher atypisch. Das zumindest lässt sich vermuten, wenn Shpetim Beqati über die Aktivierung berichtet. «Italiener haben es gerne ein wenig lauter. Sie lieben die Musik. Sie lieben es zu singen und zu tanzen.» Und auch beim Essen würden spezifische Akzente gesetzt. «Es geht oft nur um Kleinigkeiten, damit sich die Menschen richtig wohlfühlen.» In der Schweiz werde zum Beispiel Salat mit Sauce serviert. «Hier bevorzugt man Essig und Öl. Und an Weihnachten gibt es natürlich Panettone.»

Die Nachfrage ist gross

Diese kulinarischen Freuden kann der 92-Jährige Vincenzo Avantaggiato nur begrenzt auskosten. Er muss aus gesundheitlichen Gründen eine strenge Diät einhalten. Die mediterrane Abteilung biete jedoch noch viele weitere «italienische Annehmlichkeiten», die es zu geniessen gelte. Schon über 60 Jahre ist der Mann aus Lecce in der Schweiz. «E mi sento svizzero, ich fühle mich als Schweizer. Aber Italien bleibt meine Heimat.» So geht es Signor Avantaggiato. So geht es auch Shpetim Beqati − weshalb der Stationsleiter resümiert: «Eine solche Wohngruppe ist eine wirklich intelligente Idee.» Und eine erfolgreiche dazu. Denn die Zimmer sind seit Bestehen ausgebucht. «Es gibt sogar eine Warteliste», ergänzt Shpetim Beqati. Zunächst wartet aber das Mittagessen. Shpetim Beqati verabschiedet sich: «Arrivederci. Bis zum nächsten Mal im ‹Terzo Piano›.»

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